Anmelden

Steuertippfür Firmenkunden
Tipp von Steuerexperte
Dr. Klaus Oechsle

Verschärfte Anforderungen an Kassensysteme ab 1. Januar 2020

Bargeldintensiven Betrieben gilt seit etlichen Jahren die besondere Aufmerksamkeit des Fiskus. Das ist durchaus verständlich, gibt es doch hier zahlreiche Möglichkeiten, Geld „an der Steuer vorbei“ einzunehmen. Die Maßnahmen des Gesetzgebers und der Behörden gegen die Steuerhinterziehung treffen dann natürlich auch die in ihrer großen Mehrheit steuerehrlichen Unternehmen – so etwa die Vorschriften über Kassensysteme, die seit mehreren Jahren systematisch verschärft wurden.

Und zum 1. Januar 2020 steht ein weiterer großer Schritt auf dem Weg zu nicht manipulierbaren Kassen bevor. Die einschlägigen Regelungen gelten übrigens nicht nur für Registrierkassen, sondern für alle elektronischen Kassensysteme. Dazu gehören z.B. auch PC-Kassen, App-basierte Kassensysteme, Waagen mit Kassenfunktion und Taxameter.

Was bisher geschah: Bereits seit 2017 müssen elektronische Kassensysteme jeden Einzelumsatz aufzeichnen und ohne Verdichtung in unveränderbarer Weise zehn Jahre lang im Kassensystem selbst oder auf einem externen Medium speichern. 2018 wurde die sogenannte Kassennachschau eingeführt. Seither darf das Finanzamt unangemeldet Richtigkeit und Vollständigkeit der Kassenführung und Kassenaufzeichnungen vor Ort prüfen und dabei auch auf alle Kassendaten zugreifen.

Ab 1. Januar 2020 kommen folgende Neuerungen hinzu:

  • Elektronische Kassensysteme müssen in der Lage sein, für jeden einzelnen Geschäftsvorfall einen papierförmigen oder einen elektronischen Beleg zu generieren.
  • Die Neuanschaffung oder die Außerbetriebnahme eines elektronischen Kassensystems muss dem Finanzamt innerhalb eines Monats angezeigt werden. Das gilt auch für die Erweiterung bestehender Kassensysteme durch zusätzliche Geräte.
  • Alle Kassensysteme müssen eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierte Sicherungseinrichtung haben, die aus einem Sicherungsmodul, einem Speichermedium und einer digitalen Schnittstelle besteht. Diese Einrichtung muss sicherstellen, dass ausnahmslos alle Eingaben protokolliert werden und nachträglich nicht mehr verändert werden können.

Für den Wechsel auf derart zertifizierte Kassensysteme gilt folgende Übergangsregelung:

  • Kassensysteme, die bis einschließlich 25. November 2010 angeschafft wurden, müssen bis zum 1. Januar 2020 nachgerüstet sein und den neuen Vorschriften entsprechen. Ist das technisch nicht möglich, muss die Anlage durch ein neues BSI-zertifiziertes Kassensystem ersetzt werden. Hierfür gibt es keine zusätzliche Schonfrist.
  • Kassensysteme, die nach dem 25. November 2010 und vor dem 1. Januar 2020 angeschafft wurden, müssen ebenfalls nachgerüstet werden. Systeme, die nicht nachrüstbar sind, dürfen im Rahmen einer Schonfrist bis zum 31. Dezember 2022 eingesetzt werden. Ab 1. Januar 2023 müssen auch sie durch ein zertifiziertes System ersetzt sein.

Allerdings gibt es aktuell noch kein Kassensystem, das über eine vom BSI zertifizierte Sicherheitseinrichtung verfügt. Möglicherweise wird deshalb der Termin für die Zertifizierungspflicht noch einmal verschoben und die Übergangsfrist entsprechend verlängert. Betroffene Unternehmer sollten die Entwicklung hier aufmerksam verfolgen.

 Cookie Branding
i